Nicht jede Offerte ist gleich aufgebaut. Mit diesen fünf Tipps erkennen Sie seriöse Angebote und vermeiden teure Überraschungen.
Kurz gesagt: Eine gute Schreiner-Offerte listet jede Position einzeln auf: Material (Holzart, Qualität), Beschläge (Marke, Typ), Oberflächenbehandlung, Lieferung und Montage. Vergleichen Sie mindestens 3 Offerten, achten Sie auf versteckte Kosten und hinterfragen Sie auffällig tiefe Preise. Die Preisunterschiede zwischen Schreinereien betragen oft 20–35 % bei vergleichbarer Leistung.
Der häufigste Fehler beim Offertvergleich: Äpfel mit Birnen vergleichen. Eine seriöse Schreiner-Offerte sollte folgende Positionen einzeln aufführen: Korpusmaterial (z. B. Multiplex Birke 18 mm), Frontmaterial(z. B. Massivholz Eiche, geölt), Beschläge (Hersteller und Typ, z. B. Blum CLIP top BLUMOTION), Oberflächenbehandlung (Art und Anzahl Schichten), Werkstattkosten (Stunden × Stundenansatz), Lieferung und Montage. Fehlt eine dieser Positionen, fragen Sie schriftlich nach. Besonders oft vergessen oder bewusst weggelassen werden Beschläge (die bei hochwertigen Scharnieren und Vollauszügen CHF 500.— bis CHF 1'500.— ausmachen können), die Entsorgung alter Möbel (CHF 200.— bis CHF 600.—) und Anpassungsarbeiten vor Ort (Sockelleisten, Abdeckungen, Silikonfugen). Ein guter Massstab: Eine Offerte für einen mittelgrossen Einbauschrank sollte mindestens 8–12 Einzelpositionen umfassen. Ist die Offerte nur eine Pauschalzahl auf einer halben Seite, ist das ein Warnsignal.
Die Qualitätsunterschiede bei Materialien und Beschlägen sind enorm — und sie erklären einen Grossteil der Preisdifferenz zwischen Offerten. Beim Korpusgibt es drei Qualitätsstufen: Spanplatte (günstig, aber feuchtigkeitsempfindlich), MDF (stabiler, lackierbar) und Multiplex/Massivholz (Premium). Ein Schrank mit Spanplatten-Korpus kostet 30–40 % weniger als einer mit Multiplex — hält aber auch nur halb so lange. Bei den Beschlägenist der Markenname entscheidend: Blum und Hettich sind die Goldstandards in der Schweizer Schreinerbranche. Ihre Soft-Close-Scharniere sind auf 80'000+ Zyklen getestet, No-Name-Produkte versagen oft schon nach 15'000 Zyklen. Fragen Sie konkret: «Welche Scharnier-Marke verwenden Sie?» Steht in der Offerte nur «Softclose-Scharnier» ohne Herstellerangabe, sollten Sie nachhaken. Gleiches gilt für Schubladenauszüge: Ein Blum-TANDEMBOX-Vollauszug kostet den Schreiner CHF 50.— bis CHF 80.— pro Schublade, ein Billigprodukt CHF 15.— — der Unterschied zeigt sich nach wenigen Jahren im täglichen Gebrauch. Lesen Sie dazu auch unsere Preisübersicht.
Die Position «Werkstattkosten» oder «Arbeitszeit» ist oft der grösste Posten in einer Schreiner-Offerte — und gleichzeitig der am schwersten vergleichbare. Der Stundenansatz eines Schweizer Schreiners liegt zwischen CHF 85.— und CHF 120.—, in Zürich und Genf teilweise bis CHF 130.—. Dieser Ansatz deckt nicht nur den Lohn des Schreiners ab, sondern auch Werkstattmiete, Maschinenabschreibung, Versicherungen und Verwaltung. Ein tieferer Stundenansatz bedeutet nicht automatisch ein günstigeres Endprodukt: Ein erfahrener Schreiner mit CHF 110.— Stundenansatz arbeitet möglicherweise effizienter und braucht für denselben Schrank 20 Stunden, während ein günstigerer Betrieb mit CHF 85.— dafür 28 Stunden benötigt. Vergleichen Sie daher immer die Gesamtkosten der Position, nicht den Stundenansatz allein. Fragen Sie auch, ob die Offerte die Arbeitszeit als Pauschal oder nach Aufwandkalkuliert. Eine Pauschale gibt Ihnen Kostensicherheit, während «nach Aufwand» bedeutet, dass der Endpreis höher ausfallen kann als geschätzt. Bei Projekten über CHF 5'000.— empfehlen wir immer eine Pauschale zu vereinbaren.
Lieferung und Montage können den Endpreis um CHF 500.— bis CHF 2'000.— erhöhen — und sind in manchen Offerten inklusive, in anderen nicht. Klären Sie folgende Punkte: Transport: Ist die Anlieferung im Preis enthalten? Gibt es Mehrkosten für obere Stockwerke ohne Lift? Manche Schreinereien berechnen ab dem 2. OG einen Zuschlag von CHF 50.— bis CHF 100.— pro Stockwerk. Montage: Ist die komplette Montage inklusive Feineinstellung der Beschläge, Sockelleisten und Silikonfugen enthalten? Oder endet die Leistung beim Aufstellen der Korpusse? Entsorgung: Wird die alte Möblierung demontiert und fachgerecht entsorgt? Diese Position wird oft vergessen und kostet CHF 200.— bis CHF 600.— extra. Nacharbeiten: Wie ist die Gewährleistung geregelt? Ein seriöser Betrieb behebt Mängel innerhalb von 5 Arbeitstagen kostenlos. Lassen Sie sich die Antworten auf diese Fragen schriftlich bestätigen — am besten direkt in der Offerte oder als separater Anhang. Bei geprüften Schreinereien sind diese Punkte in der Regel transparent geregelt.
Am Ende zählt das Gesamtpaket. Der günstigste Anbieter ist nicht automatisch die beste Wahl — und der teuerste nicht zwingend der beste. Bewerten Sie neben dem Preis folgende Faktoren: Beratungsqualität — Hat sich der Schreiner Zeit genommen, Ihre Bedürfnisse zu verstehen? Hat er alternative Lösungen vorgeschlagen und Materialmuster gezeigt? Referenzen — Kann der Betrieb ähnliche Projekte vorweisen? Bietet er an, fertige Arbeiten zu besichtigen? Erreichbarkeit — Wie schnell und professionell wurde auf Ihre Anfrage reagiert? Die Kommunikation vor dem Auftrag ist ein verlässlicher Indikator für die Zusammenarbeit während des Projekts. Termintreue — Nennt die Offerte einen konkreten Liefertermin? Enthält sie eine Vereinbarung für den Fall von Verzögerungen? Nachhaltigkeit — Arbeitet der Betrieb mit FSC- oder Lignum-zertifiziertem Holz? Verwendet er lösungsmittelfreie Lacke und Öle? In der Schweiz achten immer mehr Auftraggeber bewusst auf ökologische Aspekte. Vertrauen Sie am Ende auch Ihrem Bauchgefühl: Ein guter Schreiner ist nicht nur Handwerker, sondern auch Berater und Problemlöser, der Ihr Projekt zu einem gelungenen Ergebnis führt.